Persönlichkeitsmodelle Big 5 & DISG

Persönlichkeitsmodelle Big 5 und DISG im HR: Überholtes Schubladendenken oder echter Mehrwert?

16.07.2025
Lesezeit: 3 Min

Die Auswahl und Entwicklung von Mitarbeiter:innen ist eine der zentralen Aufgaben im Personalmanagement. Doch wie treffen Sie die richtige Entscheidung? Neben fachlichen Qualifikationen spielen auch Persönlichkeitsmerkmale eine entscheidende Rolle. Oftmals sind in diesem Zusammenhang Persönlichkeitstests wie DISG oder das Modell der Big Five bekannt – sie sollen helfen, Menschen besser einzuschätzen. Trends wie datengetriebenes Recruiting könnten die Relevanz subjektiver Persönlichkeitstests verringern. People Analytics setzt dabei zunehmend auf KI-gestützte Analysen und Algorithmen, um Bewerber:innen anhand harter Fakten zu bewerten. Agile Arbeitssituationen wie die Projektarbeit legen zudem mehr Wert auf flexible, anpassungsfähige Teams statt auf starre Persönlichkeitskategorisierungen. Diese Entwicklungen könnten den Nutzen solcher Ansätze in der heutigen HR-Praxis infrage stellen. Wie sinnvoll sind diese Methoden heute wirklich noch? Sind sie ein nützliches Werkzeug oder längst überholt?

DISG-Modell: Einfach und beliebt, aber auch effektiv?

Das DISG-Modell (Dominanz, Initiative, Stetigkeit, Gewissenhaftigkeit) erfreut sich besonders in der Praxis großer Beliebtheit. Die einfache Einteilung von Persönlichkeiten in vier Farb- bzw. Verhaltenskategorien ist leicht verständlich und schnell umsetzbar – ein klarer Vorteil im stressigen HR-Alltag. Führungskräfte und Personaler:innen schätzen die zügige Einschätzung von Mitarbeiter:innen oder Bewerber:innen. Doch es gibt auch Kritik:

Big Five: Ein wissenschaftlich fundierter Ansatz?

Im Gegensatz dazu steht das Big-Five-Modell, das fünf zentrale Persönlichkeitsdimensionen betrachtet:

  1. Offenheit für Erfahrungen (neugierig vs. konservativ)
  2. Gewissenhaftigkeit (organisiert vs. spontan)
  3. Extraversion (gesellig vs. introvertiert)
  4. Verträglichkeit (kooperativ vs. durchsetzungsstark)
  5. Neurotizismus (emotional stabil vs. empfindlich)

Die Big Five gelten als das am besten erforschte und wissenschaftlich validierte Modell der Persönlichkeitspsychologie. In der HR-Praxis kann es wertvolle Erkenntnisse liefern.

Best Practices

Recruiting

Welche Persönlichkeitsmerkmale passen (eher) zur Unternehmenskultur?

Teamentwicklung

Wie ergänzen sich Teammitglieder?

Führungskräfteentwicklung

Welche Persönlichkeitsmerkmale sind für Führungserfolg entscheidend?

Natürlich gibt es auch am Big-Five-Modell Kritikpunkte. So wurde bspw. laut Bild der Wissenschaft infrage gestellt, ob die fünf Persönlichkeitsdimensionen tatsächlich kulturübergreifend gültig sind. In westlichen HR-Kontexten mag das Modell gut funktionieren. Doch in internationalen Unternehmen oder globalen Teams kann es problematisch sein, Persönlichkeit nach einem einheitlichen Raster zu beurteilen. Was in einem Kulturkreis als gewissenhaft oder extravertiert gilt, kann in einem anderen ganz anders wahrgenommen werden – ein Risiko für Verzerrungen im Recruiting oder bei der Mitarbeiter:innen-Entwicklung.

Wie sinnvoll sind diese Kategorisierungen im HR?

Persönlichkeitstests können eine wertvolle Unterstützung für HR-Entscheidungen sein – aber nur, wenn sie richtig eingesetzt werden. Hier einige Empfehlungen für Unternehmen:

Keine alleinige Entscheidungsgrundlage: Persönlichkeitstests berücksichtigen kaum situative Einflüsse. Gerade im Berufsalltag hängen Verhalten und Leistung nicht allein von stabilen Persönlichkeitsmerkmalen ab, sondern auch vom Arbeitsumfeld, Teamdynamiken oder der konkreten Aufgabe. Sie sollten daher immer mit Interviews, Arbeitsproben oder anderen Diagnostikinstrumenten kombiniert werden.

Wissenschaftlich fundiertere Modelle bevorzugen: Tests, die auf den Big Five basieren, liefern in der Regel genauere Ergebnisse als vereinfachte Modelle wie DISG.

Mitarbeiter:innen nicht auf ein Testergebnis reduzieren: Menschen sind mehr als nur eine Typ-Kategorie.

Datenschutz beachten: Persönlichkeitsdaten sind sensibel und sollten nur mit Zustimmung erhoben und genutzt werden.

Fazit: Persönlichkeitstests im HR – sinnvoll oder überholt?

Persönlichkeitsmodelle wie DISG oder die Big Five haben ihren Platz in der modernen HR-Praxis – jedoch mit Einschränkungen. Während DISG eine einfache Orientierungshilfe bieten kann, überzeugt das Big-Five-Modell durch seine wissenschaftliche Fundierung. Letztlich sollten solche Tests immer als ergänzendes Tool betrachtet werden, das in Verbindung mit anderen Methoden eine fundierte Entscheidungsgrundlage schafft. Nur so lassen sich die besten Talente finden und langfristig an das Unternehmen binden.

Die Autorin
Senior Consultant HXM-Transformation
Alina
Hodkin
Als Teil des HXM-Transformation-Teams hat Alina die Aufgabe, Menschen zu inspirieren und Organisationen zu entwickeln. Ihr Fokus liegt auf Change Management, Employer Branding und anderen Themen des Candidate und Employee Lifecycle, wobei sie sich darauf konzentriert, Projektergebnisse relevant für Mitarbeiter:innen zu gestalten.
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Alina Hodkin