{"id":25346,"date":"2026-07-29T09:14:37","date_gmt":"2026-07-29T07:14:37","guid":{"rendered":"https:\/\/mmmake.com\/?p=25346"},"modified":"2026-07-29T09:30:56","modified_gmt":"2026-07-29T07:30:56","slug":"bruddlehr-warum-es-oft-schwerfaellt-das-positive-zu-sehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mmmake.com\/de\/blog\/bruddlehr-warum-es-oft-schwerfaellt-das-positive-zu-sehen\/","title":{"rendered":"Bruddle(H)R: Warum es oft schwerf\u00e4llt, das Positive zu sehen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kennen Sie diese Tage? Eigentlich ist alles v\u00f6llig okay. Das Tagesgesch\u00e4ft l\u00e4uft stabil und geordnet vor sich hin. Doch genau da liegt die Krux: Man schlie\u00dft abends den Laptop und sp\u00fcrt eine leise, z\u00e4he Frustration. Nichts Schlimmes ist passiert, aber man ertappt sich pl\u00f6tzlich dabei, nicht vollends erf\u00fcllt zu sein und sich an Kleinigkeiten aufzuh\u00e4ngen. Der Blick auf das, was gerade fehlt, wird quasi zum Dauergast: Das Tool nervt, der Prozess hakt. Alles pl\u00e4tschert so dahin, man verwaltet stoisch den Status quo \u2013 und fl\u00fcchtet sich in ein m\u00fcrrisches Meckern, w\u00e4hrend man alten Zeiten hinterhertrauert, in denen gef\u00fchlt alles noch dynamischer, aufregender und bedeutungsvoller war. Die Herausforderung dabei: Durch dieses innere N\u00f6rgeln und den wehm\u00fctigen Blick zur\u00fcck verpassen wir es, das Positive im Hier und Jetzt zu sehen. Am Ende des Tages bleibt das unbefriedigende Gef\u00fchl, zwar besch\u00e4ftigt gewesen zu sein, aber die eigene Energie eigentlich nur mit unzufriedenem Raunen verschwendet zu haben. In genau solchen Momenten ertappt man sich im modernen Arbeitsleben ganz schnell in einer Rolle, die wir \u2013 mit einem liebevollen Augenzwinkern \u2013 gerne als den \u201eBruddler\u201c bezeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr alle, die des S\u00fcddeutschen nicht ganz m\u00e4chtig sind: Ein \u201eBruddler\u201c ist eine Person, die oft m\u00fcrrisch, unzufrieden oder n\u00f6rgelnd durch den Tag geht. Sie sucht das Haar in der Suppe, noch bevor das Wasser \u00fcberhaupt kocht. Kombiniert man diesen wunderbaren Begriff mit \u201eHR\u201c f\u00fcr Human Resources, entsteht der <em>Bruddle(H)R<\/em>: Ein Zustand, in dem wir im Personalwesen oder in der Beratung vor lauter To-dos, administrativen H\u00fcrden oder kulturellen Herausforderungen das Bewusstsein f\u00fcr das Positive verlieren. Nachdem ich in meinem letzten Artikel beleuchtet habe,<a href=\"https:\/\/mmmake.com\/de\/blog\/was-hr-vom-bundesliga-sommer-lernen-kann\/\"> was HR vom Bundesliga-Sommer lernen kann<\/a>, m\u00f6chte ich heute eine Ebene tiefer gehen und eine provokante Frage in den Raum stellen: Warum verbringen viele Menschen mehr Zeit mit Negativem und zu wenig Zeit mit dem Positiven \u2013 und wie brechen wir aus dieser Negativspirale aus?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das psychologische Dilemma: Wenn die Routine den Zauber raubt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Grund f\u00fcr unseren inneren Bruddler ist tief in unserer Psychologie verwurzelt. Erinnern Sie sich noch an Ihre allerersten Wochen im Job? An diesen unb\u00e4ndigen Drang, festgefahrene Strukturen aufzubrechen, verkrustete Prozesse zu modernisieren und f\u00fcr die Menschen im Unternehmen wirklich etwas zu bewegen? Damals herrschte Euphorie, ein unaufhaltsamer Antrieb. Im Laufe einer Karriere \u2013 und des Lebens allgemein \u2013 nimmt nicht nur die Anzahl an ersten Malen drastisch ab. Es schleicht sich mit der Zeit oft auch eine gewisse Frustration ein, wenn m\u00fchsam erarbeitete Initiativen verpuffen, Budgets gek\u00fcrzt werden oder der erhoffte Wandel ausbleibt. Die logische Konsequenz? Wir stumpfen ein St\u00fcck weit ab \u2013 ein Schutzmechanismus unseres Gehirns, der uns jedoch in Teilen die Begeisterung raubt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wo fr\u00fcher aufregendes Neuland war, regiert irgendwann die Routine. Wenn wir zum zehnten Mal eine Restrukturierung begleiten oder die zwanzigste Gehaltsrunde moderieren, schaltet unser Gehirn auf Autopilot. Ohne das Neue verlernt das Gehirn das Staunen und fokussiert sich stattdessen auf das, was hakt. Die Routine killt die Galligkeit (absolute Entschlossenheit) und f\u00fcttert den \u201eBruddle(H)R\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei wusste schon Hermann Hesse (1877 &#8211; 1962) in seinem ber\u00fchmten <a href=\"https:\/\/www.lyrikline.org\/de\/gedichte\/stufen-5494\">Gedicht \u201eStufen\u201c<\/a>: <em>\u201eJedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns besch\u00fctzt und der uns hilft, zu leben.\u201c<\/em> Wenn wir also positiver werden wollen, m\u00fcssen wir lernen, diesen Zauber des Anfangs wieder bewusst in unseren HR-Alltag einzuladen. Doch wie gelingt das, wenn der Kalender voll und der Alltag stressig ist?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Internationaler R\u00fcckenwind: Mit Ikigai, Lagom, Meraki &amp; Co. aus der N\u00f6rgelfalle<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um den \u201cBruddle(H)R\u201d in uns zu besiegen, hilft ein Blick \u00fcber den Tellerrand \u2013 genauer gesagt nach Japan, Schweden oder Griechenland. Hier lassen sich exemplarisch Lebensphilosophien finden, die uns Anregungen f\u00fcr mehr Zufriedenheit bieten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Ikigai \u2013 Das Fundament des Sinns:<\/strong> Das japanische Konzept des Ikigai (<em>\u201e<\/em>das, wof\u00fcr es sich zu leben lohnt&#8220;) sucht die Schnittmenge aus vier Elementen: Was liebst du? Worin bist du gut? Was braucht die Welt? Und womit kannst du Geld verdienen? Oft rutschen wir in den <em>\u201e<\/em>Bruddle(H)R-Modus\u201d, weil wir die Verbindung zu unserem pers\u00f6nlichen Ikigai verloren haben. Wir verwalten nur noch, statt zu gestalten. Wenn wir uns jedoch wieder darauf besinnen, <em>warum<\/em> wir diesen Beruf gew\u00e4hlt haben \u2013 n\u00e4mlich um Menschen zu entwickeln und Arbeitswelten zu formen \u2013, entfachen wir das innere Feuer neu.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Lagom \u2013 Die Kunst der Balance:<\/strong> Die schwedische Philosophie <em>Lagom<\/em> bedeutet \u00fcbersetzt so viel wie \u201enicht zu viel, nicht zu wenig, genau richtig\u201c. Der <em>\u201e<\/em>Bruddle(H)R\u201d leidet oft an einem ungesunden Perfektionsanspruch. Wir wollen die perfekte Candidate Journey, das fehlerfreie Feedback-System und die l\u00fcckenlose Mitarbeiter:innen-Zufriedenheit. Scheitert das an der Realit\u00e4t, folgt der Frust. Lagom lehrt uns die sanfte Mitte: Zufriedenheit mit dem, was gut ist, und das Akzeptieren von Unperfektheit. Es ist das bewusste Feiern der kleinen Erfolge, ohne sich im Optimierungswahn zu verlieren.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Meraki \u2013 Die Dosis Herzblut gegen das Abstumpfen:<\/strong> Dieses wunderbare griechische Wort beschreibt die Haltung, eine Aufgabe mit absoluter Hingabe, Seele, Kreativit\u00e4t und Liebe zu tun \u2013 so sehr, dass man am Ende ein St\u00fcck von sich selbst in der Arbeit hinterl\u00e4sst. Wenn Frustration eintritt und wir emotional abstumpfen, tun wir Dinge oft nur noch \u201enach Vorschrift\u201c. <em>Meraki<\/em> ist das direkte Gegenmittel zum Autopiloten. Es erinnert uns daran, selbst in scheinbar trockene Prozesse, Konzepte oder herausfordernde Gespr\u00e4che wieder eine pers\u00f6nliche, empathische Note einzubringen. Wer mit <em>Meraki<\/em> arbeitet, wertet das eigene Tun von der Pflichtaufgabe zum seelenvollen Handwerk auf.&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der ultimative Shift: Warum Visionen mehr als Ziele sind<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um dauerhaft den Sprung von der n\u00f6rgelnden Passivit\u00e4t in die motivierte Gestaltungskraft zu schaffen, reicht es jedoch nicht, uns einfach nur neue Vorgaben zu machen. Viele HR-Abteilungen hangeln sich starr von einem SMART-Ziel zum n\u00e4chsten. Doch reine Ziele greifen meist nur auf der kognitiven Ebene. Sie steuern das <em>\u201eWas tun?\u201d<\/em> im Au\u00dfen, sind endlich und f\u00fchlen sich oft wie eine Last an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir wirklich resilienter und positiver werden wollen, brauchen wir mehr als Meilensteine. Wir brauchen eine echte Vision. Visionen sind weit mehr als blo\u00dfe Ziele. W\u00e4hrend ein Ziel handlungsleitend ist, wirkt eine Vision sinnstiftend und identit\u00e4tsbildend. Sie ist der Leuchtturm in der Ferne, der uns das gro\u00dfe <em>\u201eWof\u00fcr?\u201d<\/em> beantwortet.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ziele entfalten erst dann ihre wahre, nachhaltige Kraft, wenn sie in eine \u00fcbergeordnete Vision eingebettet sind. Ein schlichtes Vorhaben wie \u201eWir m\u00fcssen bis Quartalsende das neue Feedback-Format f\u00fcr alle F\u00fchrungskr\u00e4fte verpflichtend einf\u00fchren\u201c kann erm\u00fcden. Koppeln wir dieses Ziel jedoch an die Vision \u201eWir etablieren eine lebendige Kultur des Vertrauens, in der offener Austausch kein Pflichtprogramm, sondern der Motor f\u00fcr pers\u00f6nliches Wachstum ist\u201c, wandelt sich die Energie komplett. Das Ziel wird vom l\u00e4stigen \u201eMuss\u201c zum Meilenstein auf einem Weg, der uns wirklich am Herzen liegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Visionsarbeit aktiviert dabei vier entscheidende Dimensionen, die uns helfen, das Bruddeln hinter uns zu lassen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Mindset (Innere Haltung):<\/strong> Erlaube ich mir eine wachstumsorientierte Haltung, die in M\u00f6glichkeiten statt in Grenzen denkt? Ein m\u00e4chtiger Hebel f\u00fcr dieses Mindset liegt bereits in unserer Sprache: Wenn wir aufh\u00f6ren, von \u201eProblemen\u201c zu sprechen, und sie stattdessen konsequent als \u201eHerausforderungen\u201c begreifen, ver\u00e4ndert sich sofort unser Fokus. Ein Problem wirkt wie eine Blockade, eine Sackgasse. Eine Herausforderung hingegen ist eine Einladung \u2013 sie weckt unseren sportlichen Ehrgeiz und regt die Gestaltungskraft an.<br>Dazu braucht es jedoch ein entscheidendes Fundament: <strong>Vertrauen<\/strong>. Es ist kein sprachlicher Zufall, dass in diesem Wort das W\u00f6rtchen <strong>\u201etrauen\u201c<\/strong> steckt. Erst tiefes Vertrauen \u2013 in die eigenen F\u00e4higkeiten, in das Team und in den Prozess \u2013 schenkt uns den Mut, uns wirklich etwas zu <em>trauen<\/em> und Herausforderungen voller Zuversicht aktiv anzugehen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Skillset (F\u00e4higkeiten):<\/strong> Visionieren und positiv bleiben ist auch ein Handwerk, das F\u00e4higkeiten wie Selbstreflexion, Perspektivwechsel und kreative Strategien erfordert. Welche Kompetenzen habe ich bereits, um komplexe Zukunftsbilder f\u00fcr mich und mein Team greifbar zu machen, und welche m\u00f6chte ich noch st\u00e4rken?<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Toolset (Umsetzungswerkzeuge):<\/strong> Wie verankere ich die Vision konkret im Alltag? Hier kommen Werkzeuge wie regelm\u00e4\u00dfige Check-ins, Zukunftsszenarien, Vision Boards oder feste Routinen (wie ein kurzes morgendliches Fokus-Journal) ins Spiel. Auch der gezielte Austausch mit Visions-Partner:innen hilft, das innere Bild im Alltag pr\u00e4sent zu halten.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Feelset (Emotionale Verbindung):<\/strong> Ohne Emotionen bleibt jede Vision ein abstraktes Konstrukt auf dem Papier. Erst wenn das Zukunftsbild in uns echte Vorfreude, Dankbarkeit oder Begeisterung ausl\u00f6st, entfaltet es seine Kraft. Dieses emotionale Fundament gibt uns die n\u00f6tige seelische Resilienz, um den t\u00e4glichen \u201eStresseinladungen\u201c gelassen zu begegnen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit: Farewell, Bruddle(H)R!<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist Zeit, den Bruddle(H)R in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken. Ja, der Alltag im Unternehmen bringt t\u00e4glich neue Rahmenbedingungen mit sich. Aber wir haben in jedem Moment selbst die Wahl, ob wir die Routine unser Denken regieren lassen oder ob wir bewusst den Zauber des Anfangs suchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Indem wir unser pers\u00f6nliches Ikigai freilegen, die Balance von Lagom praktizieren, Hingabe im Sinne von Meraki walten lassen und unsere t\u00e4glichen Ziele an eine inspirierende Vision koppeln, ver\u00e4ndern wir nicht nur unsere eigene Wahrnehmung. Wir ver\u00e4ndern die Kultur unseres gesamten Umfelds. So entfalten <strong>wir selbst<\/strong> die gr\u00f6\u00dfte Hebelwirkung im Unternehmen \u2013 nutzen wir sie, schalten wir den <em>\u201e<\/em>Bruddle(H)R\u201d aus und richten wir den Blick wieder auf das, was m\u00f6glich ist (<em>\u201e<\/em>Your only limit is YOU!\u201d)!<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n\n  <section class=\"quote alignfull\" id=\"\">\n\n    <div class=\"quote__inner-wrapper\">\n      <div class=\"container-fluid-default\">\n        <div class=\"quote__inner quote__inner--no-image\">\n\n          <div class=\"quote__text revealthis\">\n            &#8222;Ein Optimist, der sich in seinen Idealen get\u00e4uscht sieht, hat immer noch ein erf\u00fcllteres Leben als ein Pessimist, der sich best\u00e4tigt sieht.&#8220;\n          <\/div>\n\n          <div class=\"quote__person revealthis\">\n\n                        <strong>Stay<br>positive<\/strong>\n            Richard David Precht           <\/div>\n\n                      <\/div>\n      <\/div>\n    <\/div>\n\n  <\/section>\n\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kennen Sie diese Tage? 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