Futures Thinking

Wie Futures Thinking Ihr Heute verändert

25.08.2026
Lesezeit: 5 Min

Futures Thinking – Next Level Zukunftsforschung: Aus der Zukunft heraus die Gegenwart gestalten

Erinnern Sie sich noch an unseren Ausflug in die Welt des „Bruddle(H)Rs“? Wir haben festgestellt, wie leicht wir uns im Meckern verlieren und wie schwer es uns manchmal fällt, das Positive im Hier und Jetzt zu sehen.

Doch was passiert, wenn wir diesen Blickwinkel nicht nur auf die Gegenwart richten, sondern auf das, was vor uns liegt? Oft entsteht dabei ein diffuses Gefühl von Unsicherheit oder gar Angst. Aber hier kommt eine einfache Faustregel: Wenn die Zukunft Ihnen Angst macht, dann ist es nicht Ihre Zukunft.

Es ist lediglich ein Szenario, das Ihnen von außen aufgedrängt wird. Die gute Nachricht? Sie können Ihre eigene Zukunft bauen. Genau hier setzt Futures Thinking an.

Das Prinzip: Die Gegenwart aus der Zukunft heraus gestalten

Klassisches strategisches Denken verläuft meist linear: Wir stehen in der Gegenwart, schauen uns die Daten der Vergangenheit an und versuchen, einen Schritt nach vorne zu machen. Das Ergebnis? Meistens nur ein „Mehr vom Selben“ mit leichten Korrekturen.

Futures Thinking dreht den Spieß komplett um.

Anstatt von heute nach morgen zu planen, reisen wir gedanklich an einen Punkt in der Zukunft – sagen wir 5, 10 oder 20 Jahre nach vorne. Wir erschaffen ein wünschenswertes, konkretes Zielbild (eine Preferred Future). Und erst von diesem Punkt aus schauen wir zurück in die Gegenwart:

Backcasting statt Forecasting: Welche Schritte mussten wir rückwirkend ab heute gehen, um genau dort anzukommen?

Indem Sie die Zukunft als Ausgangspunkt wählen, lösen Sie sich von den Zwängen und Blockaden des heutigen Alltags. Sie warten nicht ab, was passiert, sondern werden vom Reagierenden zum Gestaltenden.

Die Spielregeln: Die 3 „Future Laws“ von Jim Dator

Damit dieser Gedankensprung gelingt, hilft ein Blick auf einen der Pioniere der Zukunftsforschung: Jim Dator. Seine drei Grundgesetze der Zukunftsforschung sind der perfekte Kompass, um das eigene Denken zu entgrenzen:

  1. Die Zukunft kann nicht vorhergesagt werden – weil sie noch nicht existiert. Zukunft ist kein feststehender Ort, an dem wir irgendwann ankommen. Sie ist offen, veränderbar und entsteht erst durch die Entscheidungen, die wir im Hier und Jetzt treffen.
  2. Jede nützliche Idee über die Zukunft muss zuerst lächerlich wirken. Wenn eine Idee für die Zukunft heute für jeden völlig logisch und machbar klingt, beschreibt sie wahrscheinlich nur die verlängerte Gegenwart. Echter Wandel sieht zu Beginn fast immer skurril, unrealistisch oder unbequem aus.
  3. Wir gestalten unsere Werkzeuge – und danach gestalten unsere Werkzeuge uns. Ob Buchdruck, Smartphone oder neue Denkmethoden: Die Mittel, die wir erschaffen, verändern maßgeblich, wie wir denken, handeln und die Zukunft überhaupt wahrnehmen.

Wahrscheinlichkeit vs. Möglichkeit: Warum KI nicht die Zukunft kennt

Genau beim dritten Gesetz von Dator – den Werkzeugen – stehen wir heute an einer spannenden Schwelle. Wir nutzen täglich Werkzeuge wie Künstliche Intelligenz, um Antworten auf unsere Fragen zu bekommen. Doch kann uns eine KI sagen, wie die Zukunft aussieht?

Machen wir ein kleines Gedankenexperiment. Wenn Sie einer KI die Frage stellen:

„Nenne mir eine beliebige Zahl zwischen 0 und 10.“

Was passiert? In den allermeisten Fällen antwortet sie zuerst mit der 7 – und beim nächsten Versuch wahrscheinlich mit der 3.

Warum? Weil KI auf Wahrscheinlichkeiten basiert. Sie analysiert riesige Datenmengen aus der Vergangenheit und berechnet, welche Antwort statistisch gesehen am häufigsten gewählt wird oder am besten passt. Sie schaut starr in den Rückspiegel.

Wenn wir die Zukunft also rein unseren Algorithmen und Wahrscheinlichkeiten überlassen, wiederholen wir nur die Muster der Vergangenheit. Wir verharren in einer Endlosschleife des Bekannten.

Von der Statistik zur Regie oder wie wir den Raum der Möglichkeiten öffnen

Um aus dieser Statistik-Falle auszubrechen, müssen wir lernen, in Möglichkeiten zu denken. In der Zukunftsforschung sprechen wir oft vom sogenannten Zukunftstrichter (Futures Cone). Dieser unterscheidet verschiedene Arten von Zukunft:

  1. Die wahrscheinliche Zukunft: Das, was passiert, wenn wir einfach so weitermachen wie bisher (der KI-Pfad).
  2. Die plausible Zukunft: Das, was auf Basis aktueller Trends technisch und gesellschaftlich denkbar wäre.
  3. Die wünschenswerte Zukunft: Das Szenario, das wir wirklich wollen – selbst wenn es heute noch verrückt oder unerreichbar wirkt.

Künstliche Intelligenz kann Ihnen exzellent dabei helfen, die wahrscheinliche Zukunft zu analysieren. Aber die wünschenswerte Zukunft zu definieren? Das erfordert Empathie, Werte, Haltung und Vorstellungskraft – typisch menschliche Superkräfte.

In 4 Schritten zum Futures Thinker

Wie holen Sie diese Methode nun konkret in Ihren Alltag oder Ihr Business?

  1. Weak Signals scannen: Schauen Sie nicht nur auf die großen Trends, über die alle reden. Achten Sie auf kleine, ungewöhnliche Veränderungen am Rand der Gesellschaft oder Technologie. Was wirkt heute noch skurril? (Erinnern Sie sich an Dators 2. Gesetz!)
  2. Das Radikal-Wünschenswerte formulieren: Blenden Sie für einen Moment alle Budgets, Hürden und Bedenken aus. Wie sieht Ihr Best-Case-Szenario in 10 Jahren aus? Beschreiben Sie es so konkret wie möglich.
  3. Den Film rückwärts abspielen: Stellen Sie sich vor, Ihr Ziel ist bereits erreicht. Schauen Sie zurück (Backcasting): Was war vor 3 Jahren nötig? Was vor 1 Jahr? Und was müssen Sie heute tun, um diesen Stein ins Rollen zu bringen?
  4. Prototyping im Hier und Jetzt: Machen Sie die Zukunft spürbar. Warten Sie nicht auf das fertige Großprojekt, sondern testen Sie kleine Hypothesen sofort aus.

KI als Werkzeug nutzen – nicht als Navigationssystem

Heißt das nun, dass wir KI aus dem Prozess verbannen sollten? Keineswegs. Erinnern Sie sich an Dators drittes Gesetz: Werkzeuge gestalten uns.

Die Kunst liegt darin, KI richtig einzusetzen. Nutzen Sie Algorithmen als Sparringspartner, um Muster der Vergangenheit schnell zu erkennen oder Szenarien durchzurechnen. Aber überlassen Sie der KI niemals die Regie. Sie liefert Ihnen die statistische 7; Sie entscheiden sich bewusst für die unkonventionelle 8 oder sprengen den Rahmen und nennen die 11.

Fazit: Weg vom Bruddeln hin zum Gestalten

Am Ende schließt sich der Kreis zu unserem „Bruddle(H)R“: Meckern und Zukunftsangst sind zwei Seiten derselben Medaille. Beide entstehen, wenn wir uns als passive Opfer der Umstände begreifen.

Die Zukunft ist kein Schicksal, das wie ein Unwetter über uns hereinbricht. Sie ist ein weißes Blatt Papier.

Wenn Ihnen die Szenarien, die täglich durch die Nachrichten oder Feeds geistern, Angst machen, dann lassen Sie sie auf sich wirken, aber prüfen Sie genau, was Sie gegebenenfalls davon beeinflussen können. Nehmen Sie sich die Freiheit, Ihre eigene Version der Zukunft zu entwerfen und fangen Sie heute an, sie zu bauen. So wird das Mantra von Margaret Lee Runbeck (1905-1956) bestenfalls zu einem festen Bestandteil Ihrer Reise.

„Glück ist nicht eine Station, wo man ankommt, sondern eine Art zu reisen.“
Build
future
Margaret Lee Runbeck
Der Autor
Director HXM-Transformation
Lucas
Senzel
Motivierend, begeisternd und kreativ – das ist Lucas. Mit seiner mitreißenden Art begeistert er Unternehmen, Mitarbeiter:innen und Arbeitskolleg:innen für HR-Transformation.
Kontakt
Lucas Senzel