SAP Fiori 2.0 Wartungsende 2027 trotz S4/HANA
Lesezeit: 3 Min
Plötzlich kann keine:r im Unternehmen mehr Arbeitszeiten erfassen – ein Horrorszenario, das aber bald eintreten kann. Der Auslöser? Das bevorstehende Wartungsende des HCM Fiori 2.0 AddOns zum 31.12.2027. Was erstmal wie ein technisches Detail wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als strategischer Kipppunkt. Denn viele Unternehmen gehen aktuell davon aus, dass ihre Investitionen in S/4HANA automatisch auch die Zukunftsfähigkeit ihrer HR-Frontend-Landschaft absichern. Genau diese Annahme ist gefährlich und häufig falsch. Fiori 2.0 ist auch unter S4/HANA ab dem 31.12.2027 nicht weiter in der regulären Wartung enthalten.
Was ist das SAP HCM Fiori 2.0 AddOn?
Das AddOn SAP Fiori 2.0 for SAP ERP HCM ist vereinfacht ausgedrückt die moderne Fiori-Oberfläche für das klassische SAP-HCM-System.
Es liefert die Frontend-Komponenten wie Benutzeroberflächen, Launchpad-Inhalte und Apps. Damit können HR-Prozesse im Browser statt in klassischen SAP-GUIs genutzt werden. Im Zentrum dieses Add-Ons stehen die Employee Self-Services (ESS) und Manager Self-Services (MSS). Mitarbeiter:innen können damit eigenständig ihre Entgeltnachweise einsehen, Urlaubsanträge stellen oder ihre Arbeitszeiten erfassen, während Führungskräfte über ein übersichtliches Launchpad Genehmigungen erteilen, Auswertungen oder den Teamkalender einsehen können.
Der unterschätzte blinde Fleck in der SAP-Roadmap
In den meisten Transformationsprogrammen dominiert derzeit ein Thema: der Umstieg auf S/4HANA. Finance, Logistik und Datenmodelle stehen im Fokus, während HR-Frontend-Technologien oft als nachgelagert betrachtet werden. HCM Fiori 2.0 läuft vielerorts stabil, ist etabliert und wirkt daher nicht wie ein akuter Handlungsbedarf.
Doch diese Stabilität ist trügerisch. Wartungsenden sind zwar im SAP-Umfeld nichts Ungewöhnliches, aber dieses ist anders. Es betrifft nicht irgendeine Backend-Komponente, sondern die zentrale Benutzeroberfläche für HR-Prozesse – genau den Bereich, den Mitarbeiter:innen und Führungskräfte täglich nutzen.
Wenn der Support endet, bedeutet das mehr als nur den Verzicht auf neue Features. Es geht um Sicherheitsupdates, gesetzliche Anpassungen und die langfristige Stabilität der Anwendungen. Gerade im HR-Kontext, wo sensible Daten verarbeitet werden, ist das ein nicht zu unterschätzendes Risiko.
Handlungsempfehlungen: Starten Sie jetzt
Auf dem Papier klingt ein Jahr Vorlauf vielleicht ausreichend. In der Realität schrumpft dieses Zeitfenster jedoch dramatisch. Neue Funktionalitäten werden selten sofort produktiv genutzt, sondern durchlaufen zunächst interne Tests, Abstimmungen mit Fachbereichen und technische Anpassungen. Support Packages werden zudem häufig erst Monate nach Release eingespielt, wenn eine gewisse Stabilität gewährleistet ist. Wie bereiten Sie sich also auf das Wartungsende vor?
Bewusstsein schaffen und starten & Basis Hürde nehmen
Die zentrale Frage zu Beginn lautet: Läuft Ihr System bereits auf S/4HANA Release 2025? Falls nicht, ist genau hier Ihr Startpunkt. Dieses Upgrade ist keine optionale Maßnahme, sondern die zwingende Grundlage für alle weiteren Schritte in Richtung Fiori-HCM-Migration.
Gleichzeitig sollten Sie das Thema nicht isoliert betrachten. Verankern Sie die Migration Ihrer Fiori-HCM-Landschaft frühzeitig und verbindlich in Ihrer IT-Strategie. Wie? Mit einer klaren Priorisierung, der Einplanung notwendiger Ressourcen sowie einer realistischen und belastbaren Roadmap. Wer hier zu spät startet, riskiert unnötigen Zeitdruck in späteren Projektphasen.
Modulares Vorgehen
Verschaffen Sie sich einen vollständigen Überblick über die aktuell eingesetzten Fiori-HCM-Apps. Nur auf dieser Basis können Sie fundierte Entscheidungen treffen und sinnvoll priorisieren.
Stellen Sie sich die Frage: Welche dieser Apps können bereits heute migriert werden? Genau hier liegt Ihr schnellster Hebel. Nutzen Sie diese Potenziale und starten Sie frühzeitig mit ersten Umstellungen.
Setzen Sie dabei bewusst auf ein schrittweises, modulares Vorgehen. Jede erfolgreich migrierte App reduziert die Komplexität im weiteren Verlauf und bringt Sie Ihrem Ziel näher. Gleichzeitig vermeiden Sie, dass sich am Ende ein großer, schwer steuerbarer „Big Bang“ aufbaut.
Für Apps, die aktuell noch nicht migriert werden können, planen Sie diese trotzdem bereits jetzt ein. Definieren Sie frühzeitig, wann und wie die Umstellung erfolgen soll, sobald die entsprechenden Lösungen verfügbar sind. Spätestens bis zum 31.12.2026 sollen gemäß aktueller Aussage der SAP alle neuen Apps zur Verfügung gestellt worden sein. Der entscheidende Vorteil dieses Vorgehens? Sie entzerren das Gesamtprojekt. Aufwand, Kosten und Ressourcen werden über einen längeren Zeitraum verteilt. Das schafft mehr Kontrolle und Planungssicherheit und ermöglicht Ihnen zugleich eine deutlich bessere Steuerung der finanziellen Aufwände.
Fazit: Vergessen Sie die SAP Fiori HCM Apps nicht
Zwischen Finance-, Logistik- und Datenmodell-Migrationen geraten HR-Frontends wie SAP Fiori in H4S4-Projekten oftmals in Vergessenheit. Dabei sind das genau die Anwendungen, die im direkten Kontakt mit Mitarbeiter:innen und Führungskräften stehen. Was, wenn diese dann plötzlich nicht mehr funktionieren? Mitarbeiter:innen ihre Zeiten nicht mehr erfassen können? Unvorstellbar. Deshalb sollten Sie die Migration Ihrer SAP Fiori HCM Apps frühzeitig starten. Unsere Empfehlung: Gehen Sie modular vor, um nicht in zeitliche Bredouillen zu kommen. Auch für Apps, für die es noch keine Nachfolgeanwendungen gibt, sollten Sie Migrationszeitpunkt und mögliche Lösung festlegen. Spätestens zum 31.12.2027 sollte die Migration bestenfalls abgeschlossen sein.