LinkedIn-Insights-Talk: Sophie Bieber über LinkedIn-Recruiting, Thought Leadership & Authentizität
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Wie werden Sie in 20 Jahren Ihre Mitarbeiter:innen gewinnen? Mit LinkedIn Recruiting? Laut dem index Recruiting Report halten 51% der Befragten Social-Media-Recruiting für eine der wichtigsten Entwicklungen. Immerhin beträgt die Anzahl der LinkedIn User:innen nach Resourcera aktuell 1,2 Milliarden. Jedoch sehen einem von Trendence durchgeführten Trend-Report zufolge 48,2 % der Akademiker:innen bereits heute einen sinnvollen Einsatz von ChatGPT & Co. in der Jobsuche. Müssen wir die Stellenanzeigen jetzt von Grund auf neu denken? Was passiert mit LinkedIn-Stellenanzeigen und Social Recruiting? Welche Rolle spielt Thought Leadership? Die Antworten auf all diese Fragen und weitere LinkedIn-Insights gibt’s von Sophie Bieber, Global Talent Acquisition Tech & Innovation Expert bei Siemens und LinkedIn-Influencerin.
Wie hat sich die Bedeutung von Stellenanzeigen und ihre Aufmachung aus deiner Sicht in den letzten Jahren verändert?
Ich glaube, dass viel Veränderung passiert ist – auch auf dem Arbeitsmarkt generell. Wir sehen, dass Unternehmen sich besser und mit anderen Themen positionieren müssen, um entsprechende Bewerbungen zu bekommen.
Früher hat man Stellenanzeigen für die große Bandbreite geschaltet. Ist es spezialisierter geworden?
Die Skills werden übergreifend spezieller. Zum Beispiel wird aus „Arbeiten mit IT“ heute „Arbeiten mit AI oder Machine Learning“. Folglich werden auch die Stellenanzeigen spezifischer. Ich glaube allerdings, dass die „eierlegende Wollmilchsau“ nach wie vor gefragt ist – und damit wächst auch der Perfektionismus auf Unternehmensseite. Zusätzlich definieren Manager:innen oft ein sehr konkretes Bild ihres Wunsch-Teammitglieds.
Für wie sinnvoll erachtest du es, LinkedIn zum Posting von Stellenanzeigen zu nutzen?
Es ist sicherlich sehr sinnvoll – aber nicht für alle. Ein Erfolgsfaktor im Stellenmarketing ist, dort präsent zu sein, wo sich die Zielgruppe aufhält. Wenn man Menschen ansprechen möchte, die viel auf LinkedIn unterwegs sind, ist es wichtig, sich dort zu positionieren. Aber manche Jobs, Zielgruppen oder Regionen sind auf LinkedIn weniger aktiv. LinkedIn ist also keine Allzweckwaffe – ihr müsst eure Zielgruppe genau kennen.
Wie persönlich bzw. wie strategisch sollte die Nutzung von LinkedIn aus deiner Sicht sein?
Der berühmte Mittelweg ist genau richtig. Warum nutzen wir LinkedIn, um Unternehmen zu positionieren? Weil authentische Stimmen zählen. Ich kann auf meiner Karriereseite alles Mögliche behaupten, aber wenn es nicht gelebt wird, wirkt es nicht. LinkedIn ist keine Bühne zum Selbstprofilieren – also „don’t overdo it“. Wenn man das Gefühl hat, dass jede:r zweite Mitarbeiter:in dreimal am Tag dazu gezwungen wird, ein Bild von der Kaffeemaschine mit einem Daumen hoch zu posten, um zu zeigen, wie großartig alles ist, dann wird es natürlich unwirksam.
Da du LinkedIn-Profi bist, wie viel postest du?
Ich bin kein Fan von fixen Regeln wie „man muss X-mal pro Woche posten“. Ich poste, wenn ich etwas zu sagen habe. Außerdem tue ich mich mit dem Begriff „LinkedIn-Profi“ schwer, weil ich LinkedIn nicht wirklich strategisch nutze. Wenn ich denke, etwas ist wichtig, dann sage ich es. Ich bin einfach dankbar für die Menschen, die mir folgen.
CEOs nutzen LinkedIn zunehmend als persönliches Intranet. Wie findest du diesen Ansatz?
Grundsätzlich finde ich das eine gute Entwicklung. Es macht C-Levels nahbarer. Wenn Führungspersonen Werte vertreten, mit denen ich mich identifizieren kann, stärkt das die Bindung zum Unternehmen und die Motivation. Aber es darf kein Tagebuch werden. Es muss im Kontext und Relation stehen. Wenn mein CEO den Eindruck erweckt, 80% der Zeit mit Postings zu verbringen, kippt der Effekt ins Gegenteil.
Was macht gutes Employer Branding auf LinkedIn aus?
Auch hier ist Authentizität das Allerwichtigste. Kein geskriptetes Blabla, keine 08/15-Videos mit Call to Action und Link in den Kommentaren. Gutes Employer Branding lebt von echten Stimmen, die von sich aus erzählen, warum sie sich mit dem Unternehmen identifizieren. Nicht ausgewählt, nicht aufgedrängt und vor allem nicht geskriptet.
Wie sieht die Zukunft des Social Recruitings über LinkedIn aus?
Ich habe natürlich keine Glaskugel und man weiß nie, wo Technologie hingeht, wo soziale Medien sich hin entwickeln. Wir sehen eine riesige Veränderung in den letzten Jahren. Die Plattformen haben sich verändert: Vor zehn Jahren posteten vielleicht drei Leute – heute jede:r Zweite, mehrmals täglich. Das zeigt: Die Menschen verlieren ihre Scheu. Somit finde ich es schwer, zu prognostizieren, wo das hingeht. Ich glaube aber, alle Recruiting-Wege, sei es LinkedIn, andere soziale Medien oder Mundpropaganda, sind dann erfolgreich, wenn sie Menschen miteinander verbinden.